
Seit das Kino sprechen gelernt hat, frisst es Bücher
(Andreas Kilb in Die Zeit)
Etwa die Hälfte aller Kinospielfilme weltweit basieren auf einer literarischen Vorlage.
Adaption kommt von Anpassung. Literatur wird für den Film angepasst. „Das Buch hat mir besser gefallen“, ein oft gehörter Ausspruch in Bezug auf Literaturverfilmungen. Der eins-zu-eins Vergleich von Buch und Film führt so gut wie immer zu Diskussionen über die Qualität der Adaption.
Die Grenze zwischen den „Literaturschaffenden“ und „DrehbuchschreiberInnen“ ist gar nicht fein. In keiner Bedeutung des Wortes. Weder freut sie irgendjemand, noch ist sie unsichtbar.
Möglicherweise haben die Literaturschaffenden einige tausend Jahre mehr Zeit gehabt an ihrem Image zu arbeiten, um schließlich das ergebnisorientierte Bücherschreiben der jungen, zehnten Muse zu überlassen. Hier wird Kunst gemacht. Dort ist man zum Handlanger des filmischen Apparatus geworden.
Mit Sicherheit ging es in den Anstrengungen des gegenseitigen Vergleichens auch nicht immer sehr respektvoll zu. Es gab in der Literaturwissenschaft sogar einmal die „Angst der Kultur vor dem Kino“ (Hans-Thies Lehmann), zweifellos das Ergebnis des schlechten Rufs der so genannten „Volksunterhaltung“. „Die erzählende Literatur, ob anspruchsvoll oder nicht, ist zur Geisel des Kinos geworden. Sie liefert die Früchte, aus denen Regisseure und Produzenten den Saft herauspressen“, schrieb vor einigen Jahren Andreas Kilb in Der Zeit.
Vorurteile wie diese beharren auch hartnäckig auf der Vorstellung, der Film sei die kopierende Nachahmung des Buches. Die Adaption wird prinzipiell geringer bewertet als die Originalschöpfung des Buches. Im Zusammenhang mit dem Anspruch an Werktreue wird außerdem oft die Frage gestellt, wie weit man sich von der Vorlage entfernen dürfe. Selten werden Buch und filmische Adaption als eigenständige Werke rezensiert, selten wird der transformative und interpretatorische Aspekt einer Adaption beurteilt.
Zeit für eine Betrachtung einzelner Positionen.
Zeit einander zu inspirieren.
Zeit aus dem reichen Angebot versuchsweise so etwas wie eine Ernte einzufahren.
In unterschiedlichen Modulen wollen wir einzelne Positionen betrachten und auch einen Austausch zwischen DrehbuchautorInnen und SchriftstellerInnen ermöglichen.
Kuratorin: Wilbirg Brainin Donnenberg
In Kooperation mit IG Autorinnen Autoren
Podiumsdiskussion
Drehbuch und Literatur. Zwei Inseln oder ein Kontinent?
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